Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland. Neben Psychotherapie und medikamentöser Behandlung rücken zunehmend Hirnstimulationstherapien in den Fokus der klinischen Praxis. Besonders häufig werden dabei zwei Verfahren diskutiert: die Elektrokrampftherapie (EKT) und die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS).

Beide Methoden verfolgen das Ziel, veränderte neuronale Aktivitätsmuster im Gehirn zu beeinflussen – unterscheiden sich jedoch deutlich hinsichtlich Intensität, Einsatzgebiet, Nebenwirkungen und Alltagstauglichkeit.

Was ist der Unterschied zwischen EKT und tDCS?

Elektrokrampftherapie (EKT)

Die Elektrokrampftherapie ist ein etabliertes medizinisches Verfahren, das seit Jahrzehnten in der stationären Psychiatrie eingesetzt wird. Unter Vollnarkose wird ein kontrollierter elektrischer Impuls verabreicht, der einen kurzen epileptischen Anfall auslöst. Ziel ist es, tiefgreifende neurobiologische Prozesse zu beeinflussen, die mit schweren depressiven Erkrankungen in Zusammenhang stehen.

In Deutschland wird EKT ausschließlich in spezialisierten Kliniken durchgeführt und unterliegt strengen medizinischen Leitlinien.

Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS)

Die tDCS-Therapie ist eine nicht-invasive Form der Hirnstimulation, bei der ein sehr schwacher Gleichstrom über Elektroden auf der Kopfhaut gezielt bestimmte Hirnareale stimuliert. Der Strom ist so niedrig dosiert, dass keine Krampfanfälle ausgelöst werden und keine Narkose erforderlich ist.

tDCS wird zunehmend als ergänzende oder alternative Behandlungsoption bei Depressionen erforscht und eingesetzt – insbesondere bei Personen, die eine gut verträgliche, alltagstaugliche Lösung suchen.

Wann wird welche Therapie eingesetzt?

EKT bei schweren und therapieresistenten Depressionen

Die Elektrokrampftherapie kommt in der Regel dann zum Einsatz, wenn:

  • eine schwere depressive Episode vorliegt
  • mehrere medikamentöse Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben
  • eine rasche klinische Verbesserung notwendig ist (z. B. bei hohem Leidensdruck)

Aufgrund des intensiven Eingriffs und der möglichen Nebenwirkungen wird EKT in Deutschland meist als letzte oder spezialisierte Behandlungsoption genutzt.

tDCS bei leichten bis schwergradigen Depressionen

Die transkranielle Gleichstromstimulation wird häufiger bei:

  • leichten bis schwergradigen depressiven Symptomen
  • als Ergänzung zu Psychotherapie oder Antidepressiva
  • Personen mit Sensibilität gegenüber Medikamenten

eingesetzt. Wichtig ist: tDCS wirkt nicht sofort. Die positiven Effekte entwickeln sich in der Regel über mehrere Wochen regelmäßiger Anwendung.

Wirksamkeit im Vergleich

Wirksamkeit der EKT

Die EKT gilt als eine der wirksamsten Behandlungen bei schweren Depressionen. Viele Patientinnen und Patienten zeigen bereits nach wenigen Sitzungen eine deutliche Symptomlinderung. Die Behandlung erfolgt meist in Serien von mehreren Sitzungen über einige Wochen.

Wirksamkeit der tDCS

Klinische Studien zeigen, dass tDCS bei Depressionen eine vergleichbare Wirksamkeit wie andere etablierte Therapieformen erreichen kann – insbesondere bei konsequenter Anwendung über mehrere Wochen. Die Effekte sind in der Regel graduell und stabilisierend, nicht abrupt.

Nebenwirkungen und Verträglichkeit

Mögliche Nebenwirkungen der EKT

  • vorübergehende Desorientierung nach der Behandlung
  • Kopfschmerzen oder Muskelbeschwerden
  • Gedächtnisbeeinträchtigungen, in seltenen Fällen auch längerfristig

Diese Aspekte spielen bei der individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung eine zentrale Rolle.

Nebenwirkungen der tDCS

tDCS gilt insgesamt als sehr gut verträglich. Beobachtet werden gelegentlich:

  • leichtes Kribbeln oder Wärmegefühl unter den Elektroden
  • milde, kurzzeitige Kopfschmerzen

Schwere oder anhaltende Nebenwirkungen sind selten.

Alltagstauglichkeit und Zugang in Deutschland

  • EKT erfordert stationäre oder teilstationäre Aufenthalte und medizinisches Fachpersonal.
  • tDCS kann – mit einem medizinisch zugelassenen Gerät – flexibel in den Alltag integriert werden und wird teilweise auch im häuslichen Umfeld genutzt.

Gerade für Menschen, die eine nicht-invasive Hirnstimulation bei Depressionen suchen, stellt tDCS daher eine niedrigschwellige Option dar.

tDCS selbst erleben: eine Option für Interessierte

Für Menschen in Deutschland, die sich näher mit tDCS beschäftigen möchten, gibt es inzwischen medizinisch entwickelte tDCS-Systeme, die für die Anwendung zu Hause konzipiert sind.

Flow Neuroscience bietet ein CE-zertifiziertes tDCS-System an, das mit einer App-basierten Begleitung kombiniert wird. Für einige Betroffene kann dies eine Möglichkeit sein, sich ergänzend und eigenverantwortlich mit moderner Hirnstimulation auseinanderzusetzen.

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Fazit

EKT und tDCS verfolgen unterschiedliche therapeutische Ansätze und richten sich an verschiedene Bedürfnisse und Schweregrade von Depressionen. Während die Elektrokrampftherapie eine hochwirksame, aber intensive klinische Maßnahme darstellt, bietet die transkranielle Gleichstromstimulation eine sanftere, alltagsnahe Alternative mit guter Verträglichkeit.

Welche Therapie geeignet ist, hängt stets von der individuellen Situation ab.

Wichtiger Hinweis (Disclaimer)

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Therapieform sollte immer gemeinsam mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson getroffen werden. tDCS ist nicht für jede Person geeignet und stellt keine Notfallbehandlung dar.