Die Geburt eines Kindes verändert alles – für Mütter und für ihre Partner. Während postpartale Depression (PPD) meist mit Frauen nach der Geburt in Verbindung gebracht wird, können auch Partner im ersten Jahr nach der Geburt eine Depression entwickeln. Diese Form der postpartalen Depression bei Partnern wird jedoch häufig übersehen, falsch eingeordnet oder gar nicht ernst genommen.
Dabei ist sie real, belastend und behandelbar. Je früher sie erkannt wird, desto besser ist die Unterstützung für die ganze Familie.
Was ist eine postpartale Depression bei Partnern?
Postpartale Depression beschreibt depressive Symptome, die im Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes auftreten. Bei Partnern – etwa Vätern oder gleichgeschlechtlichen Partner:innen – können diese Symptome Wochen oder Monate nach der Geburt beginnen.
In Deutschland wird dieses Thema noch vergleichsweise selten offen angesprochen. Studien zeigen jedoch, dass bis zu jeder zehnte Partner nach der Geburt depressive Symptome entwickelt. Besonders hoch ist das Risiko, wenn auch die Mutter betroffen ist.
Symptome: Wie äußert sich eine postpartale Depression bei Partnern?
Die Anzeichen unterscheiden sich häufig von der klassischen Wochenbettdepression bei Müttern. Statt offensichtlicher Traurigkeit stehen oft andere Symptome im Vordergrund:
- Anhaltende Reizbarkeit, Wut oder innere Unruhe
- Emotionaler Rückzug von Partner:in, Kind oder Familie
- Gefühl von Distanz oder fehlender Bindung zum Baby
- Schlafstörungen oder starke Erschöpfung
- Veränderungen von Appetit oder Gewicht
- Erhöhter Alkohol- oder Substanzkonsum
- Gefühl von Überforderung, Versagen oder innerer Leere
- Konzentrationsprobleme und Antriebslosigkeit
Diese Symptome werden nicht selten als „Stress“, „Überforderung“ oder „normale Anpassung“ abgetan – wodurch sich die Depression weiter verfestigen kann.
Warum sind Partner besonders gefährdet?
Die Ursachen für eine postpartale Depression bei Partnern sind vielfältig und meist eine Kombination aus psychischen, sozialen und biologischen Faktoren:
1. Schlafmangel und Dauerbelastung
Wochenlanger Schlafentzug wirkt sich direkt auf die emotionale Stabilität und die Stressverarbeitung aus.
2. Neue Rollen und Identitätskonflikte
Viele Partner stehen plötzlich unter dem Druck, emotional zu unterstützen, finanziell abzusichern und „stark“ zu bleiben – oft ohne Raum für die eigenen Gefühle.
3. Fehlende Unterstützung
Während sich viele Angebote auf Mütter konzentrieren, fühlen sich Partner häufig allein gelassen oder nicht angesprochen.
4. Belastung durch die Erkrankung der Partnerin
Ist die Mutter selbst von einer postpartalen Depression betroffen, steigt das Risiko für den Partner deutlich.
Auswirkungen auf Beziehung, Kind und Familie
Unbehandelt kann eine postpartale Depression bei Partnern weitreichende Folgen haben:
- Spannungen oder Rückzug in der Partnerschaft
- Erschwerte Bindung zwischen Elternteil und Kind
- Erhöhtes Konfliktpotenzial im Familienalltag
- Langfristige Auswirkungen auf die psychische Gesundheit aller Beteiligten
Deshalb ist es entscheidend, die mentale Gesundheit beider Elternteile ernst zu nehmen.
Wann und wo sollten Betroffene Hilfe suchen?
Depressive Symptome sind kein persönliches Versagen – sie sind ein gesundheitliches Thema. Unterstützung kann und sollte frühzeitig erfolgen, zum Beispiel durch:
- Hausärzt:innen oder Fachärzt:innen
- Psychotherapeutische Beratung oder Therapie
- Paar- oder Familienberatung
- Gespräche mit Hebammen oder Beratungsstellen
Auch der offene Austausch innerhalb der Partnerschaft ist ein wichtiger erster Schritt. Das Aussprechen der eigenen Belastung kann entlastend wirken und den Weg zu weiterer Hilfe ebnen.
Warum mehr Aufmerksamkeit nötig ist
Postpartale Depression bei Partnern ist kein Randthema. Sie betrifft viele Familien – wird aber oft nicht erkannt. Mehr Aufklärung hilft, Stigmatisierung abzubauen und frühzeitig Unterstützung zu ermöglichen.
Mentale Gesundheit nach der Geburt sollte immer die ganze Familie im Blick haben.